Chronik der "Göttinger Skizunft" von 1961-2011

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Die 60er Jahre
Gegründet wurde der Verein am 24. November 1961 in der Gaststätte "Schwarzer Bär" von acht Göttinger Skiläufern unter Leitung von Boris Tschiporikow, einem bulgarischen Rechtsanwalt und Betreiber einer Skischule, unter dem Namen "Göttinger Skizunft der Skischule Alpenland".

In den darauffolgenden Wintern fuhren die ca. 40 Mitglieder mit Bussen der Bundesbahn in verschiedene Orte des Harzes. In Verbindung mit der "Skischule Alpenland" wurde Skiunterricht angeboten, aber auch die ersten Skiwanderungen wurden durchgeführt.

Schon nach zwei Jahren gab es die erste Krise im jungen Verein. Durch die Verbindung mit der kommerziellen "Skischule Alpenland" – auch im Vereinsnamen – wurde eine Aufnahme in die Sportbünde und Fachverbände abgelehnt.
Auf zwei turbulenten Mitgliederversammlungen im September und November 1963 wurde die Verbindung mit der Skischule gelöst und der Verein in "Göttinger Skizunft" umbenannt. Dadurch war die Aufnahme in die Verbände gewährleistet. Boris Tschiporikow verließ darauf den Verein und Klaus Breyer übernahm den Vorsitz für die nächsten drei Jahre. Anschließend leitete Gerhard Brüger die Skizunft mit kurzer Unterbrechung bis zum Jahre 1976. In den folgenden Jahren pendelte sich die Mitgliederzahl zwischen 60 und 70 Personen ein.

In den Wintermonaten wurde regelmäßig – jetzt meist mit Privat-Pkws – in den Harz gefahren. Von eigenen Skiübungsleitern wurde Unterricht am Hang erteilt. Die Skiwanderungen wurden ausgedehnt, viele Mitglieder erwarben das Leistungsabzeichen des Deutschen Skiverbandes. Am 21. und 22. Januar 1967 wurde eine Wochenendwanderung über 100 km mit Übernachtung auf der Hanskühnenburg durchgeführt. Einige Göttinger Skiläufer nahmen mit wechselndem Erfolg an Skiwettkämpfen des "Harzer Skiverbandes" teil. Aber auch damals wurden schon die vereinsinternen Meisterschaften im Abfahrts- und Langlauf durchgeführt.

Am 17. Februar 1969 wurde im Hainberg der erste "Göttinger Volksskilauf" mit
großem Erfolg durchgeführt. Diese Veranstaltung fand 1970 und 1972 nochmals statt, außerdem in den schneereichen Wintern 1978 und 1985.

Aber nicht nur im winterlichen Schnee waren die Mitglieder der Skizunft aktiv. Von Anfang an wurden Sportabende durchgeführt mit Skigymnastik und Ballspielen in der Halle und auch im Sommer wurde sich regelmäßig auf den Sportplätzen getroffen, Schwimmabende fanden statt und Tischtennis wurde gespielt.

Die Geselligkeit kam nicht zu kurz. Regelmäßig wurde sich einmal in der Woche im Vereinslokal getroffen, erst im "Braunen Hirsch", dann im "Goldenen Löwen". Beide Gaststätten bestehen heute nicht mehr. Es wurden Film- und Diavorträge gehalten, Sing- und Spieleabende durchgeführt. Die Treffen wurden erst 1974 eingestellt. Der erste "Winterabschlussball" der Skizunft fand am 24. April 1964 in den "Rohns-Gaststätten" statt. Diese Bälle wurden Jahr für Jahr durchgeführt, in der "Alten Fink Europa" und im "Deutschen Garten". Später wurden die Stiftungsfeste eingeführt, die bis heute im November stattfinden.

In den Sommermonaten und auch im Herbst fanden Wanderungen statt, im Harz, im Solling und im Hessenland. Pkw-Ausfahrten für die ganze Familie gab es auch schon, z.B. zum Vogelpark Walsrode. Die ersten Orientierungsfahrten wurden durchgeführt.

 

Die 70er Jahre
In den siebziger Jahren wurde in den Wintermonaten weiterhin regelmäßig im Harz Skiunterricht erteilt sowie Skiwanderungen und Wettkämpfe durchgeführt. Die ersten Rekordwanderungen über 50 km fanden statt.
lm März 1972 und 1975 und nahmen erstmals Mitglieder der Skizunft an dem bekanntesten Skirennen der Welt teil, dem 89 km langen "Wasa-Lauf" zwischen Sälen und Mora im schwedischen Dalarna. 1985 und 1986 wurde der Wasa-Lauf wiederum von Göttinger Skiläufern besucht.

Da die Volksskiläufe im Göttinger Hainberg mangels Schnee leider meistens ausfallen mussten, wurde als Ausgleich erstmals am 1. April 1973 ein Volkslauf- und Wandertag von der Skizunft organisiert, der großen Anklang bei den Göttinger Wanderfreunden fand. Diese Wandertage standen nun jedes Jahr im Programm, seit 1979 als "Göttinger Wandertage" in Zusammenarbeit mit dem Tageblatt durchgeführt. In einigen Jahren waren bis zu 4000 Teilnehmer zu verzeichnen.

1972 wurde auch die erste Wanderfahrt mit Paddelbooten durchgeführt. Diese zweitägige Veranstaltung auf Flüssen der näheren und weiteren Umgebung erfreute sich noch bis vor wenigen Jahren großer Beliebtheit.

Neben den bisherigen Aktivitäten fanden auch Radwanderungen statt und Kegelabende wurden durchgeführt. Nicht zu vergessen die Schießwettkämpfe mit der Krönung von König und Königin, erstmals durchgeführt am 29. Mai 1979 im Schützenhaus Geismar.

Viele Jahre bemühte sich die Skizunft um eine Hütte im Harz. Aber erst im Herbst 1978 wurden die Bemühungen von Erfolg gekrönt. lm alten Kurpark der Bergstadt St. Andreasberg wurde eine ehemalige Gaststätte gepachtet. Nach umfangreichen Um- und Ausbauarbeiten unter tatkräftiger Mithilfe vieler Mitglieder wurde ein Schmuckstück geschaffen, u.a. mit drei Schlafräumen mit insgesamt 22 Betten. Als erster Hüttenwart wurde Wolfgang Nolte tätig. Die Skihütte fand großen Anklang nicht nur bei den alten Mitgliedern; neue Skifreunde kamen hinzu, die Mitgliederzahl verdoppelte sich von 80 auf fast 160 Personen.

1976 und 1977 leitete Wilfried Meise den Verein, anschließend Dieter Kaufmann.

 

Die 80er Jahre
Am 24. April 1981 wurde Herbert lsche zum Vorsitzenden gewählt, 11 Jahre übte er dieses Amt aus.
Auch in den achtziger Jahren war Hochbetrieb in den Wintermonaten in der Skihütte in St. Andreasberg. Die bewährten Skilehrgänge, Wanderungen und Wettkämpfe wurden weiterhin durchgeführt, auch wenn in manchen Jahren selbst im Harz der Schnee Mangelware wurde.

Schneesicher ist es im Winter aber in den Alpen. Erstmals in eigener Regie wurde von der Skizunft im Winter 1984 eine Skifreizeit angeboten. Vom 24. Januar bis zum 2. Februar 1984 fuhren 31 Skifreunde nach Samnaun in der Schweiz. Diese Skifreizeiten wurden ein fester Bestandteil im Programm der Skizunft. In all den folgenden Jahren wurden in verschiedenen Skigebieten in Österreich, der Schweiz oder Italien mit großem Erfolg meist zweiwöchige Skifreizeiten durchgeführt. Auch Langlauffreizeiten im Bayerischen Wald und in Thüringen wurden angeboten.

Schon 1982 wagten sich die ersten "Skizünftler" mit einem Brett auch auf das Wasser, hier auf den Northeimer Kiessee. Zwei Jahre später wurde das Surfen offiziell in das Programm aufgenommen. Mit Großem Erfolg und immer mehr Teilnehmern wurde unter Leitung von Herbert Nolte auf den Seen bei Northeim, später in Eschwege, Borken und Kelbra geübt. Surffreizeiten wurden auf der Insel Fehmarn, in Dänemark, Griechenland, der türkischen Ägäis und sogar in der Karibik durchgeführt.

 

Die 90er Jahre
Als Nachfolger von Herbert Ische wurde am 24. März 1992 Wolfgang Nolte zum Vorsitzenden gewählt. Auf seine Initiative wurden weitere Sportarten in das Programm der "Göttinger Skizunft" aufgenommen.

So entstand die Volleyballabteilung, die in Verbindung mit der Skigymnastik wöchentlich in der Sporthalle der Geschwister-Scholl-Gesamtschule trainiert.

Viele Mitglieder der Skizunft haben sich dem Badminton verschrieben. In mehreren Sporthallen sind Anfänger und Könner aller Altersgruppen unter Anleitung erfahrener Übungsleiter mit Ascan Wacker als Fachwart aktiv tätig. Abgelöst wurde er von Sigrid Meiners. Bei allen beliebt waren immer die vereinsinternen "Schleifchen-Turniere".

Seit 1992 hat ein Lehrteam mit Wolfgang Nolte an der Spitze viele Jugendliche, Männer und Frauen aller Altersgruppen zu begeisterten Sporttauchern ausgebildet bei Kursen in Hallen- und Freibad sowie Seen und Talsperren der näherenund weiteren Umgebung. Zu Freizeiten werden die schönsten Tauchreviere in aller Welt aufgesucht.

 

Das neue Jahrtausend
Die Aktivitäten der 90er Jahre wurden auch im neuen Jahrtausend fortgesetzt. Die Geschäftsführung des Vereins übernahmen Sigrid Meiners und seit diesem Jahr Frank Oettler.

Die Skisparte hat die Skifreizeiten bis heute mit guter Beteiligung fortgesetzt. Besonders erfreulich ist hier die Wandlung zu einer Familienfreizeit, die von Gabriele Lachmann als Fachwartin Ski alpin ins Leben gerufen wurde. Danach übernahm Sabine Rosell dieses Amt. Seit zwei Jahren zeichnet Torsten Südekum für die Sparte verantwortlich.

Leider wurde durch schneearme Winter der Harzbetrieb immer weniger, so dass im Winter immer weniger Besucher in der Skihütte zu verzeichnen sind.
Trotzdem wurde die Hütte auch in den letzten Jahren immer wieder modernisiert und mit neuen Geräten ausgestattet. Nach Winfried Meise ist nun schon seit vielen Jahren Reinhard Nigge Hüttenwart.

Das Interesse am Surfen hat in den letzten Jahren dermaßen nachgelassen, dass der aktive Betrieb nicht mehr lohnte und die Sparte nun ruht. Das Kitesurfen hat dem Windsurfen längst den Rang abgelaufen. Lediglich die Surffreizeit in Skaven/ Dänemark findet nach wie vor in den Herbstferien mit anhaltender Beliebtheit statt.

Beim Badminton hingegen fand ein Wechsel von den vereinsinternen Turnieren hin zu einer Teilnahme an der Hobbyliga statt. Seit September 2004 nimmt die Badmintonsparte am Hobbyliga-Betrieb teil. 2008 wurde das Team Meister in der Hobbyliga A, im darauffolgenden Jahr noch einmal Meister in der Hobbyliga B.

Volleyball, heute geleitet von Hartmut Mäcker, und Fitness-Gymnastik, um die sich seit vielen Jahren schon Eva Nolte kümmert, haben bei gleichbleibenden Mitgliederzahlen eine ausreichend gute Beteiligung zu verzeichnen.
Die Volleyballer nehmen mehrmals im Jahr an Freizeitturnieren teil und haben in den Jahren 2004 und 2005 auch eigene Turniere ausgerichtet.

Die Tauchsparte stellt nach wie vor den größten Teil der Mitglieder und hat auch den weitaus größten Jugendanteil zu verzeichnen. Nach Wolfgang Nolte übernahm Marco Sonnenberg das Amt des Fachwarts Tauchen. Seit zwei Jahren leitet Laurenc Wertheim die Sparte.

Gemeinsame Veranstaltungen wurden in den letzten 10-15 Jahren immer weniger. Dies liegt sicher an dem größer gewordenen Verein mit mehreren Sparten, die alle ein eigenes Programm anbieten und deshalb vereinsübergreifende Angebote kaum noch wahrgenommen werden.
So gab es von der Badmintonsparte ausgehend seit Ende der 90er Jahre zahlreiche Paddeltouren auf vielen Flüssen in der näheren und weiteren Umgebung und auch die Karnevalsfeiern im Vereinsheim der Göttinger Faltbootfahrer waren geradezu legendär.

 

Fazit
Dass sich die vielseitigen Sportangebote bewährt haben, zeigt die Mitgliederentwicklung. Stagnierte die Anzahl der Mitglieder Anfang der 90er Jahre bei 140, sind in darauffolgenden Jahren große Zuwächse zu verzeichnen gewesen. Unsere größte Mitgliederzahl lag bei 375. Diese Zahl kam durch die in 90er Jahren gegründeten Sparten Tauchen und Badminton zustande, aber auch durch die Familienfreizeiten. In den folgenden Jahren bis heute haben diese Sparten aber auch wieder an Mitgliedern verloren, so dass heute noch ca. 280 Mitglieder zu verzeichnen sind.

Was uns nach wie vor fehlt, sind vor allem Kinder und jugendliche Mitglieder. Für die weitere Entwicklung ist es sehr wichtig, dass wir uns alle um junge Menschen bemühen und sie für unser vielseitiges Sportangebot interessieren.

Mit diesem kleinen Vortrag habe ich hoffentlich unseren neueren Mitgliedern einen kleinen Einblick in die 50jährige Geschichte der "Göttinger Skizunft" vermitteln können; für die Älteren unter uns wurden vielleicht einige Erinnerungen aufgefrischt.

Hartmut Mäcker, 26.11.2011
(unter Zuhilfenahme der Vorlagen von Klaus Breyer vom 24.01.1997 und Günter Südekum aus 2011)